Sonntag, 16. Oktober 2011

Landgang

Manzanillo war so schön! Trotz der Hektik und des Chaos habe ich wieder
einen Landgang genossen, umso mehr, als man allein losstapfen könnte, die
Innenstadt ist nur 20min vom Containerhafen entfernt. Aber der Reihe nach:
Wir kommen morgens an, ich bin beim Einklarieren dabei. Endlich sehe ich mal
live, wie die ganzen Papiere, die wir drucken, zum Einsatz kommen, kann auch
gleich noch was Fehlendes ausdrucken. Dann sollte es eigentlich zum
Mittagessen mit dem Kapitän in die Stadt gehen, doch der 3. Offizier muss
zum Arzt und nun ist keiner für die Ladung da. Normalerweise gehen der 2.
und 3. abwechselnd 6h Ladungswache, der 1. ist währenddessen  permanent mit
Ladung und Trim beschäftigt. Jetzt kann man dem 2. schlecht zumuten, 12h
Wache zu gehen, also springe ich ein. Die Laschgang wundert sich nicht, dass
plötzlich so viele Offiziere rumspringen, denn ich bin selbstverständlich
schon seit 3 Jahren Offizier, klar, ne? Ich klammere mich an den Stauplan,
schaue wichtig drein und tue so, als hätte ich alles im Griff. Gerade als
ich anfange, durchzublicken und Spaß an der Sache zu haben, kommt der 3.
zurück. Bei ihm alles OK, aber der Bootsmann hat eine Entzündung am Zahn und
muss evtl. heimfliegen. Trotz allem geht’s für mich und den Kapitän erstmal
in die Stadt. Ein kurzes Vergnügen, denn am Sonntag ist kein Zahnarzt
aufzutreiben, der sich das Ganze genauer anguckt, also schickt der Kapitän
den Bootsmann heim. Vom Schiff aus führt er viele Telefonate mit Crewing-
Agenten, ich stapfe derweil allein durch Manzanillo. Doch das Essen gehen
schaffen wir noch, auch wenn’s eher schnell gehen muss und leider wird es
auch nicht das Luxus-Restaurant, in das mich der Kapitän einladen wollte,
schade. Aber bei strahlendem Sonnenschein und 40°C, gutem Fisch und Blick
auf den Fischerhafen genießen wir ein lecker Essen, dann geht’s schnell
zurück an Bord. Eigentlich wollten wir abends noch ein Weinchen trinken,
zusammen mit dem neuen Chief Eng., aber da diesmal der 3. stramm ist und
keine Wache gehen kann, übernehme ich in fast schon alter Gewohnheit die
Wache mit dem Kapitän. Es hagelt Abmahnungen, denn auch der Elektriker ist
dicht. Noch ist das ja alles ganz lustig, aber wenn ich später mal nach
einem langen Tag mit Ladungswache, Bootsmann heimschicken, Crewwechsel Chief
und 2 Besoffenen noch eine extra Wache gehen müsste, würde ich mich
bedanken. Ich steuere wieder raus und ändere selbstständig die Kurse, bis
wir weit draußen auf Señor Autopilot umschalten. Dann noch ein bissl
schnacken mit dem Kapitän  und ab in die Koje.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen