Freiheit! Seit der Ansteuerung auf
Manzanillo hat mich die Brücke wieder. Endlich kann ich wieder was
Sinnvolles tun, bin wieder zu etwas nütze! Ich habe die Route für
die Strecke zurück nach Pusan geplant, dabei Wetterkarten,
vorgeschlagene Passagen und Meeresströmungen berücksichtigt.
Geschätzte Ankunftszeit in Pusan,
meine Route und Ladedaten vom Chiefmate an den Agenten und die
Wetterberatung geschickt. Hier sind wieder einige Hurricanes
unterwegs gewesen, wir hätten fast nicht direkt nach Manzanillo
fahren können, doch ausnahmsweise waren die Wirbelstürme mal auf
unserer Seite und ziehen rechtzeitig ab. Einer hatte sich direkt über
Manzanillo festgesetzt und im Hafen gewütet, der Hafen war mehrere
Tage lang geschlossen. So etwas Spannendes kriegt man in der Maschine
gar nicht mit!
Wir gehen erstmal auf Reede, und als
der 3. Offizier sagt, er sehe Kühe vorbeitreiben, dachte ich
zunächst an Seekühe. Aber nein, zusätzlich zu lauter Bäumen, die
mitsamt Wurzel herausgerissen waren, treiben tote Kühe an uns
vorbei. Surreal. Wenn mich einer fragt, welche Tiere ich im Pazifik gesehen habe, antworte ich: Delfine,
Wale, Albatrosse, Kühe. Hihi.
Unterricht zum Thema tropische
Wirbelstürme, die ja hier recht häufig sind: In Asien heißen sie
Taifune, in Amerika Hurricane. Sie entwickeln sich aus einem
Tiefdruckgebiet über einen tropischen Sturm (ab Windstärke 6),
schweren tropischen Sturm (ab Stärke 9) zu einem Taifun. Das
Meerwasser hier ist so warm (bis 30°C), dass die warme Luft im
Zentrum des Tiefs über dem Wasser aufsteigt, sich oben abkühlt und
weiter weg vom Zentrum herabsinkt. Das Ganze wird durch die
Erddrehung wie ein Kreisel in Schwung gebracht, das warme Wasser
führt immer wieder Energie zu. So können sich diese Gebilde ewig
weit fortbewegen, bis ihnen an Land oder in höheren Breiten die
Energie ausgeht. Im Yachting wird das Ganze erst ab SHS unterrichtet,
deshalb lerne ich erst hier darüber, aber dafür mehr als
ausführlich. Diese Biester machen uns das Leben schwer, wir können
nie unseren Fahrplan einhalten. Hab mittlerweile Fotos von
Taifunschäden auf einem Schwesterschiff gesehen – meine Herren.
Sollte man besser vermeiden. Ich bin immer wieder überrascht, wie
anfällig die Stabilität eines so großen Schiffes für Wetter ist,
ich dachte, bei der Größe kann es viel besser einem Sturm
standhalten. Auf kleinen Yachten kann man wenigsten Wellen ausreiten
und durch Können und Erfahrung schwerem Wetter trotzen, siehe
Kanarentörn vom Februar. Ein Schiff wie die JULA hätte solches
Wetter nicht heil überstanden. Irgendwie macht es mich stolz, zu
wissen, dass ich eine Segelyacht so weit im Griff hab, dass mir 8
Windstärken keine Angst einjagen können.
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