Samstag, 15. Oktober 2011

Manzanillo, mi amor

Freiheit! Seit der Ansteuerung auf Manzanillo hat mich die Brücke wieder. Endlich kann ich wieder was Sinnvolles tun, bin wieder zu etwas nütze! Ich habe die Route für die Strecke zurück nach Pusan geplant, dabei Wetterkarten, vorgeschlagene Passagen und Meeresströmungen berücksichtigt.
Geschätzte Ankunftszeit in Pusan, meine Route und Ladedaten vom Chiefmate an den Agenten und die Wetterberatung geschickt. Hier sind wieder einige Hurricanes unterwegs gewesen, wir hätten fast nicht direkt nach Manzanillo fahren können, doch ausnahmsweise waren die Wirbelstürme mal auf unserer Seite und ziehen rechtzeitig ab. Einer hatte sich direkt über Manzanillo festgesetzt und im Hafen gewütet, der Hafen war mehrere Tage lang geschlossen. So etwas Spannendes kriegt man in der Maschine gar nicht mit!
Wir gehen erstmal auf Reede, und als der 3. Offizier sagt, er sehe Kühe vorbeitreiben, dachte ich zunächst an Seekühe. Aber nein, zusätzlich zu lauter Bäumen, die mitsamt Wurzel herausgerissen waren, treiben tote Kühe an uns vorbei. Surreal. Wenn mich einer fragt, welche Tiere ich im Pazifik gesehen habe, antworte ich: Delfine, Wale, Albatrosse, Kühe. Hihi.
Unterricht zum Thema tropische Wirbelstürme, die ja hier recht häufig sind: In Asien heißen sie Taifune, in Amerika Hurricane. Sie entwickeln sich aus einem Tiefdruckgebiet über einen tropischen Sturm (ab Windstärke 6), schweren tropischen Sturm (ab Stärke 9) zu einem Taifun. Das Meerwasser hier ist so warm (bis 30°C), dass die warme Luft im Zentrum des Tiefs über dem Wasser aufsteigt, sich oben abkühlt und weiter weg vom Zentrum herabsinkt. Das Ganze wird durch die Erddrehung wie ein Kreisel in Schwung gebracht, das warme Wasser führt immer wieder Energie zu. So können sich diese Gebilde ewig weit fortbewegen, bis ihnen an Land oder in höheren Breiten die Energie ausgeht. Im Yachting wird das Ganze erst ab SHS unterrichtet, deshalb lerne ich erst hier darüber, aber dafür mehr als ausführlich. Diese Biester machen uns das Leben schwer, wir können nie unseren Fahrplan einhalten. Hab mittlerweile Fotos von Taifunschäden auf einem Schwesterschiff gesehen – meine Herren. Sollte man besser vermeiden. Ich bin immer wieder überrascht, wie anfällig die Stabilität eines so großen Schiffes für Wetter ist, ich dachte, bei der Größe kann es viel besser einem Sturm standhalten. Auf kleinen Yachten kann man wenigsten Wellen ausreiten und durch Können und Erfahrung schwerem Wetter trotzen, siehe Kanarentörn vom Februar. Ein Schiff wie die JULA hätte solches Wetter nicht heil überstanden. Irgendwie macht es mich stolz, zu wissen, dass ich eine Segelyacht so weit im Griff hab, dass mir 8 Windstärken keine Angst einjagen können.
 

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