Wer bei dem Titel an weitere piscoeske
Eskapaden denkt, irrt. („Piscoeske Eskapaden“, gut, ne? Versucht
doch, das 10mal schnell hintereinander zu sagen.) Nein, der Wahnsinn
ist immer noch steigerungsfähig.
Heute beginnt die Neuverfilmung von
„Alice im Wunderland“ unter dem Arbeitstitel „Eva im
Maschinenraum“. Untertitel: „Antje, versprich mir, dass du mich
immer noch magst, wenn du das gelesen hast.“ Ihr solltet wissen,
dass die wenigen Male, die ich bis jetzt „da unten“ war, ich mich
verlaufen hab. Ernsthaft. Zu den Feuer- und Sicherheitsronden, das
muss ich zugeben, hab ich nur kurz den Kopf die Treppe
runtergesteckt. Als Grund gab ich an, keine Mickymäuse zu haben und
mir bei dem Lärm die Ohren kaputtzumachen, aber ganz ehrlich – ich
weiß nicht, ob man mich am nächsten Morgen oder überhaupt
irgendwann wieder gefunden hätte. Vielleicht hätte ich eines Tages
abgemagert und ausgemergelt das Licht der Sonne wiedergesehen
(Drittkarriere als Schriftsteller!), aber ich hätte nicht drauf
gewettet.
Doch es hilft alles nix, mein Stündlein
hat geschlagen. Ich bin jetzt offiziell Tagelöhner, was mir die
Chance gibt, mich nach dem Frühstück an die Fersen einiger mir
unbekannter Leute zu heften. Das müssen sie sein, die Kellerkinder,
denen die gesunde Bräune der Decksarbeiter oder das Bäuchlein der
körperlich unterbeschäftigten Offiziere fehlt. Somit finde ich ganz
lässig den Maschinenkontrollraum. Rausfinden werde ich nach dem
selben Prinzip, spätestens zum Mittagessen kehrt sich der
Menschenstrom um. Ich lasse zunächst den MKR auf mich wirken. Das
reicht für den Anfang, echt jetzt. 1001 Anzeigen, Lichter, Alarme.
Mein Körper besteht nur aus zwei großen Augen. Ich werde direkt dem
Öler ans Bein gebunden, der arme Kerl. Er hat vom Wiper den Job
geerbt, mit mir alle Instrumente und Anzeigen abzulesen, weil er
besseres Englisch spricht. Ich bin „Lost in Translation“, aber
renne eifrig hinterher. Immerhin bin ich schon soweit, dass ich weiß,
dass wir eine Hauptmaschine und 3 Hilfsdiesel haben, nicht schlecht
für den ersten Tag, was?
Nachdem ich dann mit dem 2. Ing. eine
Kontrollrunde gedreht hab, prägt sich ein grobes Layout des
Maschinenraums ein. Setz mich irgendwohin, ich finde den MKR und auch
den Ausgang! Noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Der 2. Ing
reinigt als Nächstes den Turbolader, und ich bin mir sicher, ich
werde eines Tages begreifen, warum man Wasser und gehackte
Nussschalen in einen Motor schüttet. Ich nicke und speichere, bloß
nicht darüber nachdenken.
Am Nachmittag hat keiner Zeit (oder
Lust), sich mit mir abzugeben, also lese ich Handbücher. Ich
erfahre, wozu ein Turbolader da ist und dass man mit dem Wasser den
Kompressor reinigt und die Nussschalen die Turbine sauberschrubben.
Auch den Weg des Schweröls vom Bunkertank über Separatoren in
Zwischentanks und dann über Zentrifugen in Tagestanks begreife ich
so langsam. Außerdem erforsche ich einige Stunden lang „die Zeche“
und finde einige Kenngrößen, die wir heute Morgen gesammelt haben,
wieder. Ich bin ganz stolz auf mich. Morgen werde ich alle mit meinem
Wissen umhauen.
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