Dienstag, 4. Oktober 2011

Eva im Wunderland

Wer bei dem Titel an weitere piscoeske Eskapaden denkt, irrt. („Piscoeske Eskapaden“, gut, ne? Versucht doch, das 10mal schnell hintereinander zu sagen.) Nein, der Wahnsinn ist immer noch steigerungsfähig.
Heute beginnt die Neuverfilmung von „Alice im Wunderland“ unter dem Arbeitstitel „Eva im Maschinenraum“. Untertitel: „Antje, versprich mir, dass du mich immer noch magst, wenn du das gelesen hast.“ Ihr solltet wissen, dass die wenigen Male, die ich bis jetzt „da unten“ war, ich mich verlaufen hab. Ernsthaft. Zu den Feuer- und Sicherheitsronden, das muss ich zugeben, hab ich nur kurz den Kopf die Treppe runtergesteckt. Als Grund gab ich an, keine Mickymäuse zu haben und mir bei dem Lärm die Ohren kaputtzumachen, aber ganz ehrlich – ich weiß nicht, ob man mich am nächsten Morgen oder überhaupt irgendwann wieder gefunden hätte. Vielleicht hätte ich eines Tages abgemagert und ausgemergelt das Licht der Sonne wiedergesehen (Drittkarriere als Schriftsteller!), aber ich hätte nicht drauf gewettet.
Doch es hilft alles nix, mein Stündlein hat geschlagen. Ich bin jetzt offiziell Tagelöhner, was mir die Chance gibt, mich nach dem Frühstück an die Fersen einiger mir unbekannter Leute zu heften. Das müssen sie sein, die Kellerkinder, denen die gesunde Bräune der Decksarbeiter oder das Bäuchlein der körperlich unterbeschäftigten Offiziere fehlt. Somit finde ich ganz lässig den Maschinenkontrollraum. Rausfinden werde ich nach dem selben Prinzip, spätestens zum Mittagessen kehrt sich der Menschenstrom um. Ich lasse zunächst den MKR auf mich wirken. Das reicht für den Anfang, echt jetzt. 1001 Anzeigen, Lichter, Alarme. Mein Körper besteht nur aus zwei großen Augen. Ich werde direkt dem Öler ans Bein gebunden, der arme Kerl. Er hat vom Wiper den Job geerbt, mit mir alle Instrumente und Anzeigen abzulesen, weil er besseres Englisch spricht. Ich bin „Lost in Translation“, aber renne eifrig hinterher. Immerhin bin ich schon soweit, dass ich weiß, dass wir eine Hauptmaschine und 3 Hilfsdiesel haben, nicht schlecht für den ersten Tag, was?
Nachdem ich dann mit dem 2. Ing. eine Kontrollrunde gedreht hab, prägt sich ein grobes Layout des Maschinenraums ein. Setz mich irgendwohin, ich finde den MKR und auch den Ausgang! Noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Der 2. Ing reinigt als Nächstes den Turbolader, und ich bin mir sicher, ich werde eines Tages begreifen, warum man Wasser und gehackte Nussschalen in einen Motor schüttet. Ich nicke und speichere, bloß nicht darüber nachdenken.
Am Nachmittag hat keiner Zeit (oder Lust), sich mit mir abzugeben, also lese ich Handbücher. Ich erfahre, wozu ein Turbolader da ist und dass man mit dem Wasser den Kompressor reinigt und die Nussschalen die Turbine sauberschrubben. Auch den Weg des Schweröls vom Bunkertank über Separatoren in Zwischentanks und dann über Zentrifugen in Tagestanks begreife ich so langsam. Außerdem erforsche ich einige Stunden lang „die Zeche“ und finde einige Kenngrößen, die wir heute Morgen gesammelt haben, wieder. Ich bin ganz stolz auf mich. Morgen werde ich alle mit meinem Wissen umhauen.

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