Endlich Halbzeit! Ich begehe offiziell
die Ankunft in Manzanillo morgen als Halbzeitdatum, da ich wohl schon
nach der ersten Februarwoche heimkomme. Die Jula S bekommt im Januar
eine neue Route, von Asien (diesmal mit Hongkong, juhu!) geht es nach
Seattle und Vancouver. Das wird spannend! Für uns bedeutet das jetzt
schon, Seekarten zu bestellen, alles für US-Standards zu checken –
die stellen sich in der Seefahrt schlimmer an, als man das vom
Flughafen her kennt. Etliche Formulare und Listen werden vorbereitet
und Crewwechsel angeleiert, denn nicht alle haben ein US-Visum. Und
all das, wo ich in den Vorbereitungen für die südamerikanischen
Häfen stecke – ich hatte ja letzte Reise schon angedeutet, dass
hier auch viel Papierkram ansteht. Durch Asien bin ich fit, aber die Arbeit fällt ja
trotzdem an, auch wenn es mittlerweile bedeutend schneller geht. Habe
diesmal auch wesentlich mehr Durchblick als letzte Reise, und ich
hoffe, es wird sich so etwas wie Routine einstellen, denn noch hängt
mir der letzte Hafenmarathon in den Knochen. Zum Glück haben wir
immer einige Tage zwischen den Häfen, und ich werde auch für den
Rest des Monats die 4-8 Wache mitlaufen. Da der
Chiefmate wie ich kein Morgenmensch ist, habe ich morgens immer schön
viel Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen und Ideen fürs Buch zu
sammeln.
Außerdem bin ich mittlerweile ein
fleißiger Sterngucker, finde seit heute 12 Sternbilder. An Planeten
sehen wir regelmäßig Jupiter, Saturn und Mars. Ist schon toll, wenn
man auf das Sternenwirrwarr schaut und plötzlich Strukturen erkennt,
statt wildem Durcheinander von funkelnden Lichtern. Das kommt auch
der Kompasskontrolle zugute: Mit Almanachs finden wir die genaue Peilung der Sterne oder
Planeten zu einem bestimmten Zeitpunkt für eine bestimmte Position
heraus, peilen über den Kreiselkompass und können feststellen, ob
unser Kompass abweichend anzeigt. Das wird auch regelmäßig ins
Schiffstagebuch eingetragen, Vorschrift ist einmal pro Wache. Ihr
seht, auch mitten aufm Teich haben wir zu tun.
Letztes Wochenende gab es wieder eine
Grillparty, diesmal bei deutlich kühlerem Wetter. Deshalb hatten wir
uns bald von Deck an die Bar verzogen, wo es kuschelig warm war.
Eigentlich wollte ich früh ins Bett, bin aber leider im
Crewaufenthaltsraum beim Filipino-Karaokeabend versackt. Die stehen
ja alle auf Schmachtfetzen, und so schön, wie da manche ins Mikro
geschluchzt haben, kann mancher Popsänger sich eine Scheibe
abschneiden. Ich habe nach 3 Bier auch angefangen zu singen, bis nach
Mitternacht nur noch der Maschinenkadett, Wiper und ich übrig waren.
Wir haben noch ordentlich Asche gegeben, bis wir keine Stimme mehr
hatten. Um 2 Uhr ins Bett, ein Stündchen Schlaf hab ich vor der
Wache noch reingequetscht. Da war ich zwar todmüde, aber hatte so
viel Spaß, das war es wert.
Morgen wird sich viel ändern, bin
gespannt, was ich in 24h schreiben werde. Geplant ist, morgens beim
Lotsen zu sein. Dann machen die Kapitäne Übergabe, und Kpt. Bauer
und ich kommen doch noch zu unserem Ausflug in das Luxusrestaurant.
Wird ein netter und bestimmt auch etwas trauriger Abschied. Ihm habe
ich immerhin viel zu verdanken. Vielleicht fahren wir im Sommer noch
einmal einen Monat zusammen auf einem holländischen
Schüttgutfrachter in der Ostsee, er hat schon seinen alten Kumpel
daraufhin kontaktiert. Dann brauch ich nur ein holländisches
Seefahrtbuch und die Seediensttauglichkeit, und ein weiterer Monat
Fahrtzeit ist im Kasten. Wird super. Einen besseren Lehrer und
anspruchsvolleres Revier fürs Manövrieren kann ich mir nicht
wünschen.
Bald werde ich auch wieder
Internetmöglichkeit haben, seid gespannt auf neue Fotos und macht
euch auf einen Skype-Anruf gefasst.
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