Seit nunmehr 4 Tagen sind wir eine
Insel im Nebelmeer. Graue Nacht wird vom grauen Tag abgelöst, nur
schwache Änderungen in den Graustufen zeigen den Verlauf der Zeit
an. Von Dunkelheit oder Tageslicht spricht man gar nicht – nachts
streuen unsere Positionslampen ihren Schein weit in den Nebel hinaus,
tagsüber geht die See nahtlos in den Himmel über. Anfangs hatten
wir noch sturmgepeitschte See, sodass wenigstens die Schaumkronen
einen die Fortbewegung ahnen ließen, doch mittlerweile ist es
windstill. Wir sind in eine dicke graue Watteschicht eingepackt, die
alle Sinne erstickt. Man hört nichts, sieht nichts. Die bunten
Containertürme scheinen im Nichts stillzustehen und die
Positionseinträge auf der Seekarte Lügen zu strafen, die zeigen,
dass wir uns doch durch dieses endlose Zwielicht fortbewegen. Wenn
man mehrere Stunden am Stück in den Nebel hinausschaut, ist es, als
sei man erblindet. Seit Tagen sieht man nichts, das dem Auge Halt
gibt. Ich gehe die 4-8 Wache, die eigentlich fast jeden Tag einen
Sonnenaufgang bereithält, doch als vorgestern (letzte Woche? Letzten
Monat? Das Zeitgefühl ist hin) der Himmel für wenige Minuten
aufriss, lag ein trüber Grauschleier über der Sonne. Dieser Mangel
an Farben hat seltsamerweise eine anregende Wirkung auf die Fantasie,
noch nie habe ich in Gedanken so viele Briefe, Gedichte, Geschichten
geschrieben wie in meinen morgendlichen Wachstunden. Wenn ich dann
nach dem Frühstück versuche, all das in meinen Computer zu
übertragen, ist das Meiste schon wieder weg – im Nebel
zurückgelassen.
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