erstmal aufräumen und überall
Allianzen schmieden müssen. So, jetzt kann er kommen. Bin zwar so
kaputt, dass ich kaum noch tippen kann, aber meine Armee ist besser
aufgestellt. Das Schlimmste, was jetzt noch passieren kann, ist, dass
ich in Valparaiso nicht an Land darf, weil ich tagsüber im Hafen
arbeiten muss. Aber ich werde ordentlich ranklotzen, und dann frag
ich Niemann einfach direkt, ob ich nach mehreren Häfen ohne Landgang
wenigstens meinen Decksdienst in Valparaiso abgeben kann. Das ist
hier die einzige Stadt außer Manzanillo, wo es sicher ist, alleine
an Land zu gehen, das will ich mir ungern entgehen lassen. Und wenn
ich meinen Tagesdienst nicht loswerde, zieh ich eben nachts los und
hab Spaß, auch wenn ich dann morgens nicht aus den Augen gucken
kann, egal. Valparaiso ist so schön mit seinen ganzen Bars und
Cafés, da mach ich’s mir gemütlich. Auch wenn ich es wirklich
bedauern würde, keine Gelegenheit zu haben, bei dem Sommerwetter mit
der Seilbahn auf die Hügel zu fahren. Ich werde mich dann wohl mit
meinem Laptop in eine Bar setzen und noch schön
weiterschreiben.
Aber selbst, wenn das nicht klappt, ich
lass mir hier nicht in die Suppe spucken. Da ich keine Verantwortung
mehr trage (man schläft ruhiger, da ging der Schuss für den
Intriganten nach hinten los, mir die ganzen Ansteuerungen
wegzunehmen), kann mir auch nix passieren. Mach Dienst nach
Vorschrift, und das war’s. Es sind eh nur noch zwei Monate, ich
will bei der Reederei nachfragen, ob ich Anfang Februar von Vancouver
aus nach Hause fliegen kann. Das geht rum. Meine Freizeit (haha)
nutze ich, um fleißig an meinem Buch zu arbeiten. Man sagt ja immer,
dass man am Besten schreiben kann, wenn es einem dreckig geht, und
ich muss sagen, es sind ein paar gute Szenen dabei rausgekommen.
Jetzt geht es, wie gesagt, langsam bergauf. Mal schauen, was die
nächsten Wochen so bringen. Aber ich denke, ich habe gut vorgesorgt,
ich lass mich hier nicht zum Deppen machen. Denen zeig ich’s.
Heute – trotz Samstag – kein
Karaoke, schade. Aber alle, ich eingeschlossen, sind zu kaputt.
Nächsten Samstag gehen wir wieder in die Vollen. Werde mit meinen
neuen Freunden ordentlich einen draufmachen. Übrigens, mein neuer
Tagesablauf sieht so aus: Auf See geh ich die 0-4 Wache
mit dem 2. Offizier, der ist ganz nett,
spricht gutes Englisch und weiß auch, dass hier manche Leute einen
an der Waffel haben. Er wird mir dann noch was über Sicherheit
erzählen, das ist zusammen mit Ladung der fehlende Teil in meinem
Training Record Book. Zum Thema Schiffsführung hab ich bereits mehr
gelernt, als andere Kadetten in zwei Praxissemestern. Im Hafen geh
ich Tagesdienste, was echt clever eingefädelt ist, denn was soll ich
nachts an Land, mit Spaziergängen ist da nichts. Das einzig Gute
daran ist, dass der Kpt. tagsüber auch die ganze Zeit an Deck
rumschleicht und sich wundert, wie ich zupacken kann. Ich gehe
Ladungswache und Gangwaywache, es gibt wirklich
schlimmere Arbeiten. Heute war ich in
die Maschine abgeschoben. Nachdem ich mich geweigert habe, noch eine
Woche in die Maschine zu gehen, nachdem ich schon zwei statt einer
Woche dort war, bin ja schließlich Deckkadett und nicht
Maschinenkadett, hab ich heute unten beim Bunkern aufgepasst, dass
muss eben auch noch ins TRB. Gleich eine gute Gelegenheit, mein
Netzwerk in der Maschine auszudehnen, hab mich ganz nett mit ein paar
Leuten unterhalten. Ich sag ja, Kampf.
Übrigens hatten wir heute in Guayaquil
wieder den nichtsnutzigen Lotsen von letztem Mal. Ich dachte, ich
spinne, als ich den die Gangway hab raufkrabbeln sehen. Ich musste so
lachen, als der 2. entnervt fragte: „Is this the bullshit pilot?“
Der 2. war ja letztes Mal auf der Ankerstation und sollte, nachdem
uns der Lotse schon fast auf Grund gesetzt und an die Pier gefahren
hätte, den falschen Anker werfen, bis Paul den Lotsen
rausgeschmissen und selber übernommen hatte. Oh Mann. Ist schon
komisch, wenn man die Leute wiedererkennt. Hab jetzt auch einen
„Freund“ bei den Stevedores in Buenaventura. Zum Glück kommen
wir dort nicht wieder hin. Meistens reichen meine nicht vorhandenen
Spanischkenntnisse, um mir die netten Unterhaltungen mit den
Hafenarbeitern vom Leib zu halten, aber John konnte dummerweise ein
bisschen Englisch. Meine Telefonnummer hat er trotzdem nicht
gekriegt:). Ja, das sind also jetzt die ersten „letzten Male“.
Letztes Mal Kolumbien, letztes Mal Ecuador, übermorgen letzes Mal
Peru.
So, das war der Stand der Dinge. Wie es
jemand so schön gesagt hatte: „Jetzt ist ein anderer Kapitän da,
jetzt weht ein anderer Wind.“ Um mit Pauls Worten zu antworten:
„Der soll Tabletten gegen seine Blähungen nehmen.“
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen