Das muss das Paradies sein: Ich habe einen riesigen Kuchen ganz für mich alleine - an guten Tagen schaffe ich 8 Stück – und Internet bis zum Abwinken, auch wenn die Verbindung mitunter grottenschlecht ist. Seit gestern liegen wir endlich im Hafen Guayaquil, hier ist die Verbindung super. Ich skype mit vielen Leuten und lade mir eine ordentliche Musikbibliothek von youtube herunter. Schreiben läuft auch wie am Schnürchen. Ach ja, nebenbei arbeite ich noch, aber nur zur Tarnung. Wenn ich z.B. nachts Gangwaywache habe (da kommt und geht fast keiner), lässt es sich super in ein Notizbuch kritzeln. Kann ja nun mal nicht weg von der Gangway, und mein Spanisch reicht leider nicht, um mit den Wachen mehr als über mein Alter und dass ich natürlich verheiratet bin (der Ring ist auf meiner Kammer) zu reden.
An Land geh ich nicht, hab zu viel Angst vor Messer-Martha, auch wenn die bestimmt schon auf dem Friedhof wohnt. Vorsicht ist eben die Mutter der Porzellankiste. Die anderen sind mehr an Land als an Bord, was für ein Glück, dass die Stevedores vom Hafen das Laschen erledigen, da haben alle frei. Abgründe tun sich auf, wenn man mitschreibt, wer wann geht und kommt, manche bleiben gleich mehrere Tage weg. Die kommen wieder, sehn auf der Tafel die neue (natürlich verspätete) Abfahrtszeit und düsen wieder ab. Die Landgangpässe kommen in einem erbärmlichen Zustand ins Schiffsbüro zurück, ich möchte nicht darüber nachdenken, wo die überall waren.
Heute sollen wir eigentlich um 4 Uhr morgens auslaufen, und als neuer Repräsentant der unterbezahlten und dennoch ordentlich arbeitenden Bevölkerung (auch „studentische Praktikanten“ genannt) stehe ich um 3 Uhr Gewehr bei Fuß, aber der Lotse lässt sich bitten. Um 5 ist er an Bord, ich freue mich, dass ich im Hellen steuern kann, da hat man wenigstens Landmarken, um sich zu orientieren. Brücke und Maschine klarmachen, halb 6 sind die Leinen los. Ich lasse mich von einem Matrosen am Ruder ablösen und geh frühstücken. Weil die Trantüte von Lotse so spät kam, verpassen wir das Hochwasser am Felsen an der Flusseinfahrt und müssen auf das nächste 6h später warten. Also Haken in der Grund und warten. Abends 18Uhr endlich draußen aus diesem schlammigen Fluss, wieder auf See Richtung Callao/Peru.
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