Sonntag, 25. September 2011

Guayaquil - Ecuador

Sind gestern Nacht doch noch den Fluss rauf nach Guayaquil gefahren und liegen auf Reede (ankern) vor dem Hafen. Sind ziemlich schnell gefahren, die Ansteuerung dauerte nur 4h. Hier war es noch schlimmer als in Buenaventura, der Fluss ist sehr flach und die Kanäle manchmal nur 300m breit, mit Felsen bis 1m unter der Wasseroberfläche. Hier ist schonmal ein anderer Kapitän auf Grund gelaufen. Bin also hochkonzentriert gewesen, ein Fehler wäre hier fatal. Habe mich immer noch nicht an das IALA-System B gewöhnt, wo wir beim Einlaufen die roten Tonnen an Steuerbord und die grünen an Backbord haben, aber die Tonnen sind wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht, da hat man keine Chance, den Kanal zu verfehlen. Bei jedem Kurswechsel gibt es neue Richtfeuerlinien, ich komme mir vor wie in einem gigantischen Computerspiel, nur dass es hier lediglich ein Leben und keinen Reset-Button gibt, wenn man von der Route abweicht.
Heute Morgen kamen die Agenten und Behörden zum Einklarieren an Bord, das Schnellboot haben gleich einige Crewmitglieder zum Landgang genutzt. Hier hat wirklich jeder in jedem Hafen eine Freundin – ihr wisst ja, ich bin die Vertrauensperson an Bord – und die Geschichten machen selbst vor Legenden wie Irma&Alma aus Österreich und Messer-Martha nicht halt, ich kenn sie alle und weiß genau, wer wen wann und wo wie aufs Kreuz gelegt hat (in beiden Sinnen zu verstehen). Also über Messer-Martha komm ich echt nicht hinweg… Ich weiß manchmal nicht, ob das hier zum Lachen oder zum Heulen ist. Zumindest eignet es sich zum Weitererzählen.
Heute Abend gehe ich die Deckswache, da muss ich gucken, dass keiner an Bord gekrabbelt kommt, der hier nix verloren hat. Aus dem Grund wird die Ankerklüse abgedeckt und die Klüsenspülung angeschaltet, sonst klettern die durch das Loch, aus dem die Kette hängt. Wir haben einige Security Guards an Bord, das sind manchmal die Schlimmsten, was Einbrüche angeht, also muss ich auch die im Auge behalten. Und natürlich gucken, dass der Anker hält. Momentan ist eine Bunkerbarge längsseits, ein Boot, dass Schweröl bringt, wir tanken quasi auf unserem Ankerplatz. Wenn die heut Abend noch nicht fertig sind, pass ich da auch noch drauf auf. Und morgen geht es dann wohl an die Pier. Mal schauen, wie wir unseren Fahrplan wieder aufholen können.

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