Mittwoch, 7. Dezember 2011

Peru

Das Anlegen in Callao hab ich dezent verschlafen. Wie ich später dank meiner Spione (in dem Fall Marin) erfahren habe, wurde ich wohl vermisst, und da hat er den Chiefmate gefragt, ob mich denn einer angerufen hätte. Natürlich nicht, da war ich dann entlastet. Wir lagen nämlich mal wieder ewig vor Anker, und keiner wusste so recht, wann denn nun der Lotse kommt, und in so einem Fall werden ganz normal die Seewachen weitergegangen. Wenn dann was passiert, wird die Crew per Telefon zusammengetrommelt. Hm, da wurde ich wohl vergessen. War schön, da konnte ich ausschlafen.

In Callao bin ich wieder tagsüber Ladungswache gegangen. War ganz angenehm, das Wetter war nämlich recht schön, auch wenn es frisch war. Aber warm eingemummelt hab ich mein Gesicht in die Sonne gehalten und beobachtet, wie die Container gelöscht und geladen wurden. Gibt echt schlimmere Jobs. Diesmal hat sich unsere Abfahrt nicht ganz so oft verspätet, aber es hat noch für eine kurze Spritztour in die Stadt gereicht. Eigentlich war ich nur am Telefonhäuschen, weil da einer mit Internetsticks kommen wollte, aber nach 1h warten hab ich aufgegeben. Da sind grad der Wiper und der Messmann vorbeigekommen und haben gefragt, ob ich mit in die Stadt kommen will. Ich hab das erst für einen Witz gehalten und gesagt, dass ich wohl kaum in eine Pilipino-Bar mitkomme, aber die beiden meinten, sie wollen nur was einkaufen und essen gehen. Na super, da bin ich dabei. Mussten dann zu Fuß durchs Gate (und das ist der gefährlichste Hafen, puh, da ging mir die Muffe), aber nix passiert. Der Taxifahrer wollte uns partout in eine Bar bringen, obwohl ich ihm immer wieder versichert habe, dass ich nicht auf philippinische Frauen stehe! Ach ja, die kurzen Haare… bald geh ich nur noch im Kleid aus.

Waren dann also shoppen, aber es war alles mordsteuer, meine Dollars waren ratzfatz alle. Hat gerade noch für ein Essen gereicht, wir waren in einer peruanischen Burger-Bar, sehr lecker. Wir haben uns sowas von die Bäuche vollgeschlagen - nach dem Bordfraß eine nette Abwechslung.

Marin wurde übrigens gekündigt, weil er ja in Manzanillo wieder so besoffen war. Er ist in Callao von Bord gegangen, nicht ohne mir ein paar nette Worte mit auf den Weg zu geben. Tut echt gut, zu wissen, dass man in bestimmten Situationen nicht alleine dasteht. Der neue 3. ist noch ganz jung, erst 25 oder 26, aber was für ein Netter! Endlich mal einer, der gute Laune hat und nicht mit Grabesmiene rumläuft. Die tun hier alle immer so, als hätten sie den schlimmsten Job der Welt und jammern die ganze Zeit rum. Ganz ehrlich, wenn ich als Matrose mit 2000-3000 Dollars nach Hause gehe und dafür am Tag ca. 10h arbeite – das haben Leute mit einem „anständigen Job“ nicht in der Tasche. Wenn ich natürlich im Hafen alles für Alkohol und Mädels raushaue – selber schuld. Dann verlängern sie ständig ihre Verträge, weil ihnen das Geld ausgeht und zu Hause Frau und Kinder auch was haben wollen, meine Güte. Was für Leute.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen