Montag, 29. August 2011
Einschiffen
Um 9 Uhr werden Malte und ich am Hotel abgeholt und zum Schiff gefahren.
Komischerweise bin ich überhaupt nicht aufgeregt, das hat sich
mittlerweile gelegt. Es brauchte eine Dreiviertelstunde, bis wir am Hafen
ankommen, dann geht es durch die Einreise und eine Art
Sicherheitskontrolle. Ich hatte ja die Nacht über das Einlaufen des
Schiffes über AIS verfolgt und wusste ungefähr, wo sie liegt. Als wir
näherkommen, geht dann doch das Kribbeln los. Und da ist sie. Erinnert ihr
euch, wie einem als Kind das immer voll auf die Nerven ging, wenn ein
Verwandter sagt: „Du bist aber groß geworden!“, als Erwachsener versucht
man, das zu sagen zu vermeiden, aber es geht nicht! Und so ist das bei
einem Schiff. Angeblich ist das Erste, was jeder Neuling sagt: „Mann, ist
die groß!“, nicht jedoch ich, das hatte ich mir fest vorgenommen. Was soll
ich sagen… „Ist die groß!“ Ich konnte es einfach nicht zurückhalten.
Von meinen 2 Monstergepäckstücken lasse ich eins unten an der Gangway
stehen und ächze mit dem anderen rauf. Zum Glück ist Malte dabei, der weiß
gleich, wo wir hin müssen. Im Poopdeck – das ist das erste Deck in den
Aufbauten achtern (=hinten) – ist das Schiffsbüro, dort geben wir unsere
Dokumente ab und bekommen eine Kammer zugewiesen. Also das Gepäck rauf in
den 2. Stock gewuchtet, und wieder runter für Gepäckstück Nummer 2.
Meine Kammer ist eine positive Überraschung: Größer, als ich mir das
vorgestellt habe und recht freundlich eingerichtet. Ein großes Fenster mit
tollem Ausblick nach achtern, Sitzecke mit Tisch, Stuhl und Couch, kleines
Bad. Alles schön sauber. Ich kann es gar nicht erwarten, mich häuslich
einzurichten, nach 2 Monaten aus dem Koffer leben.
Auf zum Kapitän, der im 5. Stock wohnt. Papierkram erledigt (ich bin schon
ab dem 26. angemustert, juhu, keine verlorenen Tage!) und dann hält er
eine sehr freundliche Ansprache. Er führt mich gleich noch persönlich
übers Schiff, welch eine Ehre! Ist ja nun nicht sein Job, die kleinen,
unbedeutenden Praktikanten zu betreuen, aber ich freue mich richtig. Und
so sieht es hier auf der JULA S aus: Vorne das Deck, wo die Container
unter und an Deck gestapelt sind. Die ganze Zeit wird noch beladen, sehr
spannend. Ganz vorne und ganz achtern sind die Manöverstationen zum An-
und Ablegen, mit riesigen Winden und Taue, die ich kaum hochheben kann.
Wer die spleißen muss – herzlichen Glückwunsch. Achtern die Aufbauten: Als
„Erdgeschoss“ das Poopdeck mit Schiffsbüro und Wäscherei, nach unten
Provianträume, Schwimmbad, Sauna und Maschinenraum. 1. Stock: die Messen
(Essensräume) und Aufenthaltsräume für Offiziere und Crew.
Ungewöhnlicherweise essen in der Offiziersmesse auch höhere
Mannschaftsgrade wie Schiffsmechaniker und Bootsmann. 2. Stock:
Mannschaftskammern, 3.-5. Stock Kammern der Schiffsführung, 6. Stock
Brücke.
Nach dem Mittagessen um 12 leg ich mich kurz hin, hatte die halbe Nacht
nicht geschlafen. Um 15 Uhr ist ablegen, ich bin an der achterlichen
Manöverstation zum Aufpassen eingeteilt. Dort lerne ich Frank kennen, noch
ein junger Deutscher, Schiffsmechaniker. Malte ist der Bootsmann. Ein
Schlepper hält uns an der Pier, während die Leinen gelöst werden. Ich
helfe Leinen aufschießen (also um ehrlich zu sein, EINE Leine, mehr Muckis
hab ich nicht). Ab 16 Uhr geh ich auf die Brücke und schau dem Rudergänger
zu. Die entsprechenden Kommandos kenne ich, das fühlt sich schonmal ganz
gut an. Im Maschinenraum müssen zwei Turbolader (fast so groß wie
Flugzeug-Triebwerke) gewartet werden, also gehen wir vor dem Hafen für
einige Tage vor Anker. Schade, noch nix mit Ozeanüberquerung, andererseits
geht es damit erstmal ziemlich ruhig los, schön zum Eingewöhnen. Nach dem
Abendessen noch eine kurze Maschinenraumführung, aber da bin ich natürlich
total verloren. Der arme Chief (Hauptmaschinist) der wird noch seine
Freude mit mir haben.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen