Donnerstag, 2. Februar 2012

Seattle

Unsere Reise in die USA steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Erst haben wir Probleme mit der Email, und fast schaffen wir es nicht, unsere Ankunftspapiere innerhalb der Deadline von 96h zu schicken. Dann müssten wir erstmal 96h vor Anker und dürften dann erst einklarieren. Ab der Datumsgrenze funktioniert aber alles wieder halbwegs. Nur das AIS nicht, und damit dürfen wir ebenfalls nicht in die USA. Wir bekommen aber eine Ausnahmegenehmigung vom Hafen unter der Bedingung, dass in Seattle ein Techniker kommt und wir erst auslaufen, wenn AIS wieder geht. Die Techniker nehmen die gesamte Anlage auseinander, aber weder Email noch AIS funktionieren wirklich gut. Das beschert uns eine Extra-Nacht in Seattle, und obwohl ich gern so schnell wie möglich heim will, genieße ich die zweite Nacht an Land.
Am ersten Tag Seattle darf ich schon um 15Uhr Feierabend machen und ziehe alleine los. Wir liegen mitten in der Stadt, das sollte kein Problem sein, alleín rumzustapfen. Ich habe einen richtigen Kulturschock: Zivilisation! Leute, die eine lebende Sprache sprechen! Leute, die "normal" sind! Ich schwebe echt in anderen Sphären und bin heilfroh, dass ich das jetzt erlebe und nicht erst in Frankfurt. Ihr hättet mich in die Ecke stellen und zwei Tage später wieder abholen können.
Seattle ist so eine schnuckelige Stadt! Sehr europäisch: lauter rote Backsteingebäude, unendlich viele Loftwohnungen (wie im Film!) und statt riesiger Einkaufzentren überall Cafés und Kunstgalerien. Überhaupt Kunst: In fast jedem Schaufenster hängen Gemälde, auf der Straße stehen einfach so Statuen rum und die Bäume im Park tragen ein buntes Strickkleid (ernsthaft!). Es ist so inspirierend, ich bin vollkommen überwältigt. Sitze zwischendurch mal in einem Café oder gehe shoppen, aber insgesamt laufe ich an die 9h durch die Stadt! Das ist das erste Mal, dass ich Schuhe durchgelaufen habe. Ich kaufe neue und schmeiß die alten direkt weg...
Abends versacke ich in einer Bar, die sehr gute Cocktails und Burger macht. Nach dem schrecklichen Bordessen ein wahres Paradies. Ich bleibe noch, nachdem die schon geschlossen haben, weil ich mit den Jungs von der Bar schwätze. Hatte ich schon erwähnt, dass ich mich wahnsinnig freue, mal wieder ordentliches Englisch zu sprechen? Oh Mann, ich hab in den zwei Tagen mit 5 oder 6 Leuten, die ich nicht kenne, geredet. Echt interessant.
Am nächsten Abend geht's wieder dorthin. Diesmal haben die Jungs keine Zeit, denn es ist brechend voll. Es spielt eine Liveband und ich habe einen perfekten Abend. Zum Glück hab ich mich feingemacht, es ist eine richtige Wohltat, mal wieder Kultur zu erleben. Ordentliches Essen, gepflegte Cocktail und eine herrlich altmodische Bar mit Band - mehr brauch ich nicht zum Glücklichsein.


Oh Mann, dieses Foto wollte ich von Anfang an machen! Immer dieses Schmöken an der Gangway...





Eva im Gimlet&Burger-Paradies

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