Sonntag, 5. Februar 2012

Abschalten?

Zum Glück  haben wir einen rigorosen Kapitän. Der Agent will den Bootsmann und mich nämlich um 08.30 Uhr abholen. Wir stehen mit Sack&Pack an Deck, da ruft er an und meint, es reicht ja auch mittags, denn der Flug vom Bootsmann geht erst nachmittags. Da gibt ihm der Kpt. erstmal Zunder und siehe da, um 9 schlägt der gute Mann auf. Ein Filipino ist noch dabei, der muss zum Zahnarzt. Auto ist also voll, als wir uns auf den langen Weg in die Stadt machen.
Leider versinkt alles im dicken Nebel. Ich glaub, ich spinne, mein einziger Tag Sightsseing und ich werde nichts sehen! Der Agent versichert mir aber, dass es aufklaren würde, und richtig, wir sind gerade in der Stadt angekommen, da erstrahlt sie unter einer hellen Wintersonne. Eine Planänderung kommt mir zugute: Anscheinend zahlt die Reederei mein Hotel! Ich muss also nicht die Tour zum Flughafen mitmachen, sondern kann trotz der frühen Morgenstunde schon mein Zimmer beziehen. Ich stelle nur mein Gepäck ab und auf geht's nach draußen, denn der Agent fährt mich freundlicherweise ins Stadtzentrum. Das wird er natürlich alles mit der Reederei abrechnen, aber das ist nur recht und billig. Nach dem siffigen Hotel in Pusan verdiene ich mal was Schönes.
In Vancouver ist es einfach erstmal nur kalt. Am Samstag öffnen die Läden erst gegen Mittag, also ab ins Starbucks: Frühstück und Internet. Dann stapfe ich in alter Gewohnheit stundenlang durch alle Straßen. Eine schöne Stadt, aber nach dem Knaller Seattle ist es ein wenig - darf ich "langweilig" sagen? Immerhin sehe ich ein paar historische Gebäude, gehe einkaufen (das Geld! und Übergepäck!) und fein essen. Wann komm ich schonmal wieder hierher. Die Zeit muss genutzt werden...






In der Bahn zurück zum Hotel quatsche ich noch einige Mädels an, denn die Haltestelle, die mir der Agent genannt hat, existiert nicht und ich hab keine Ahnung, wo ich hin muss. Immerhin hab ich diesmal eine gültige ID dabei, denn sonst sind wir immer ohne ID an Land gegangen. In Seattle z.B. durften die Filipinos, die ja wie Kinder aussehen, nicht in die Bar, weil sie sich nicht ausweisen konnten! Fast hätte ich aber die Bahn nicht gekriegt, denn mir hat 1 Dollar zum Ticket gefehlt, ich an den Geldautomaten, aber meine Karte wurde nicht genommen. Ich schon voll den Herzkasper gekriegt - wegen einem Dollar nicht wegzukommen, also bitte! War an 3 Automaten, überall erfolglos. Die Banken und Wechselstuben waren natürlich schon geschlossen. Erst Versuch 4 an einem Bank-Geldautomaten hat geklappt. Meine Herrn, diese Aufregung!
Wie auch immer, die Mädels hatten den gleichen Weg und wir haben uns nett unterhalten. Habe in 3 Tagen so viele neue Freunde gefunden :) ...

Jetzt hole ich gerade Blogschreiben nach, sortiere die Fotos etc. Ich kann einfach nicht abschalten. Es ist so komisch, im Bett zu sitzen und keine Geräusche von Kränen, die Container laden zu hören! Meine erste Nacht weg vom Schiff nach 5 Monaten, 9 Tagen. Ich weiß nicht, wer und wo ich bin. Was soll's, es lässt sich nicht erzwingen. Ich weiß, dass ich, wenn ich erst alles aufgeschrieben habe und mit den Fotos durch bin, auch meine Gedanken und Eindrücke wenigstens halbwegs sortiert haben werde. Also freut euch auf weitere Fotos! Ich habe ab Weihnachten die Posts nachträglich mit Fotos und Video (nein, nicht vom Karaoke!) versehen.

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